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Die Açaí-Beere: Was Kann Sie Wirklich? Teil2

Die Açaí-Beere: Was kann sie wirklich? Teil2

Açaí gilt als Superfood und als Revolution bei Smoothie-Zutaten. Manchmal wird ihr vorgehalten, sie würde nicht halten, was sie verspricht. – Was ist da dran und wer hat Recht?*

 

Wieso ist Açaí gesund?

 

 

Hoher Antioxidantien-Gehalt in Form von Anthocyanen

Açaí gilt vielen als die Frucht, die weltweit die größte Konzentration an Antioxidantien aufweist. Die antioxidative Wirkung ist tatsächlich so hoch, dass gelegentlich vermutet wird, die Frucht könnte bislang unbekannte Antioxidantien enthalten.

In der Açaí-Beere sind vor allem Anthocyane für die antioxidative Wirkung verantwortlich. Die Anthocyane sind eine Untergruppe der Flavonoide – einer Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, zu denen viele der Farbstoffe der Blüten und Früchte gehören, insbesondere die roten und blauen Farbtöne. Ihre Farbe verdankt die Açaí-Beere in erster Linie ihren Anthocyanen.

Unter den vielen verschiedenen Anthocyanen der Açaí-Beere ist Cyanidin von besonderer Bedeutung. Dieser Stoff kommt in der Natur vielerorts vor, gilt als besonders wichtig und ist in der Açaí-Beere in hoher Konzentration vorhanden. Auch viele einheimische Früchte enthalten Cyanidin und andere Antioxidantien – das besondere an der Açaí-Beere ist in erster Linie die hohe Konzentration dieser Stoffe.

Es stimmt, dass einheimische europäische Früchte, wie beispielsweise die oft im Zusammenhang mit Antioxidantien genannte Blaubeere, ebenfalls einen hohen Gehalt an Anthocyanen aufweisen können. Açaí-Beeren haben in aller Regel aber einen weitaus höheren Gehalt (800-1000mg/100g Frucht) als Blaubeeren (10-515mg/100 g Frucht). Vor allem zeigt der Vergleich, dass die Schwankungsbreite der Anthocyan-Konzentration im Açaí deutlich geringer ist.

Seine kräftige Farbe verdankt Açaí v.a. den Anthocyanen

Reich an ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen

Neben Anthocyanen und anderen sekundären Pflanzenstoffen gibt es auch Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Enzyme mit antioxidativer Wirkung. Die Açaí-Beeren enthalten neben Anthocyanen beispielsweise Eisen, Calcium und Vitamin A.

Außerdem ist Açaí reich an verschiedenen ungesättigten Fettsäuren, wie Omega 3-, 6- und 9-Fettsäuren. Der menschliche Körper kann diese nicht selbst produzieren, ist aber unter anderem für den Stoffwechsel auf sie angewiesen. Auch können sie eine senkende Wirkung auf den Cholesterinspiegel haben.

Die hohe Konzentration an Ballaststoffen in Açaí fördert die Verdauung und kann präventiv gegen bestimmte Formen von Darmkrebs wirken. Gelegentlich wird Açaí auch nachgesagt, es würde helfen abzunehmen. Diese Annahme basiert unter anderem auf seinem Ballaststoffgehalt. Ob Açaí jedoch tatsächlich in besonderer Form zum Abnehmen beitragen kann ist umstritten.

Açaí ist nicht gleich Açaí

Generell gilt: Je reifer die Beeren zum Zeitpunkt der Ernte sind, desto höher ist ihr Gehalt an Antioxidantien und anderen gesunden Stoffen. Auch die Qualität des Bodens, die Umgebung und das Mikroklima können einen Einfluss auf die Entwicklung wertvoller Inhaltsstoffe haben.

Nach der Ernte ist es entscheidend, wie die Beeren verarbeitet werden. Da die Frucht zum Großteil aus Kern besteht, wird sie immer verarbeitet. Es ist aber ein Unterschied, ob sie lediglich püriert wird (und eventuell gefroren), wie es auch die Einheimischen im Amazonas mit ihrem Eigenbedarf an Açaí tun, oder anderweitig verarbeitet und gegebenenfalls mit anderen Stoffen vermengt wird. Es ist schwer pauschal zu sagen, welche Form von Açaí besser ist. Je mehr die Frucht verarbeitet wird, desto größer ist jedoch das Risiko, dass Prozesse zum Verlust von Nährwerten führen.

Messungen nach der ORAC-Methode (Oxygen Radical Absorbance Capacity) bestätigen die hohe antioxidative Gesamtkapazität von Açaí – ebenso wie die Unterschiede in der antioxidativen Wirkung von unterschiedlich verarbeiteten Produkten. ORAC ist eine Messmethode die die antioxidative Kapazität eines Lebensmittels bestimmt. Das heißt, es wird nicht das Vorkommen eines bestimmten antioxidativen Stoffes (bspw. von Anthocyanen) betrachtet, sondern die antioxidative Gesamtwirkung. Diese ist abhängig von der jeweiligen Menge der verschiedenen enthaltenen Antioxidantien, aber insbesondere auch vom Zusammenspiel dieser.

 

Wie wirken Antioxidantien im Körper?

 

Antioxidantien schützen die Körperzellen vor den Angriffen der freien Radikale. Sie verteidigen den Körper somit gegen beschleunigte Alterung der Zellen und wirken vorbeugend gegen bestimmte Krankheiten oder Fehlfunktionen des Körpers.

Freie Radikale sind sauerstoffhaltige Atome oder Moleküle, in deren Struktur ein Elektron fehlt. Sie sind instabil und gefährlich für andere Zellen, denn sie sind auf der Suche nach einem Elektron, das sie komplettiert und stabil macht.

Wirkung von freien Radikalen im Körper

Auf ihrer Suche nach dem fehlenden Elektron gehen sie ohne Rücksicht auf Verluste vor und bedienen sich bei anderen Zellen. Sie entreißen diesen das Elektron, das sie benötigen. Dabei kann es sich bei den Zellen, die sie angreifen, sowohl um bereits beschädigte als auch um heile Zellen handeln. Die unfreiwillige Abgabe des Elektrons kann bei der Zelle dazu führen, dass sie selbst zu einem freien Radikal auf der Suche nach dem fehlenden Elektron wird.

Infolge des Elektronenverlusts kann es bei den beraubten Zellen zu beschleunigter Zellalterung kommen. Langfristig wird durch die Angriffe das Auftreten von Krankheiten und Problemen an Organen begünstigt. In vielen Fällen werden die Beschädigungen der Zellen durch freie Radikale nicht der einzige Faktor sein; sie tragen aber zum Entstehen von Problemen und Fehlfunktionen bei.

Wie viel ist zu viel?

Das Bestehen von freien Radikalen im Körper ist normal und lässt sich nicht vollständig vermeiden. Freie Radikale treten als Abfallprodukt vieler Stoffwechselprozesse auf. Auch äußere Einflüsse können zu erhöhtem Vorkommen an freien Radikalen im Körper führen:

  • Stress,
  • Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum,
  • schlechte oder unausgewogene Ernährung,
  • Pestizide und Abgase,
  • sowie UV-Belastung durch längere Aufenthalte in der Sonne

sind Beispiele für solche Einflüsse.

Es geht also nicht darum, das Vorkommen der freien Radikale im Körper auf Null zu bringen. Wie so oft im Leben, ist es vielmehr eine Frage des Ausmaßes der Aktivität von freien Radikalen im Körper.

Ärzte empfehlen älteren Menschen manchmal täglich ein Gläschen Rotwein zu trinken – Grund ist, dass auch Rotwein Antioxidantien enthält.

Antioxidantien als Verteidiger wehrloser Zellen

Und hier kommen die Antioxidantien ins Spiel. Sie reduzieren die Menge der freien Radikale im Körper und wirken deren schädlicher Aktivität somit entgegen. Sie beschützen die Zellen vor ihren Angreifern.

Antioxidantien stoppen das Entreißen der Elektronen aus Zellen durch die freien Radikale (kurz: die Oxidation der Zellen), indem sie den freien Radikalen bereitwillig das Elektron zur Verfügung stellen, das diesen fehlt. Damit sorgen sie dafür, dass die Zellen intakt bleiben und verhindern gleichzeitig, dass diese selbst zu freien Radikalen werden können, nachdem sie um ein Elektron beraubt worden sind.

Der Vorteil der Antioxidantien besteht darin, dass sie bereitwillig ein Elektron abgeben – dadurch aber nicht selbst zu freien Radikalen werden.

 

Welche konkreten Vorteile werden den Antioxidantien zugeschrieben?

 

Antioxidantien beugen dem sogenannten oxidativem Stress vor. Sie schützen also den Körper vor Beschädigung der Zellen und verlangsamen die Zellalterung.

Konkret hat oxidativer Stress negative Auswirkungen auf die Mitochondrien und verschiedene Enzyme. Enzyme erfüllen eine wichtige Funktion im Stoffwechsel. Durch Beeinträchtigung ihrer Funktionalität wirkt oxidativer Stress einem reibungslosen Stoffwechsel entgegen. Auch Gefäße können unter oxidativen Stress leiden, was beispielsweise zu Bluthochdruck führen kann.

Stress kann fatale Folgen für die Gesundheit haben. Erfolg beginnt oft damit, Stress zu reduzieren.

Verstärkter oxidativer Stress und Langzeitfolgen

Verstärkte Formen des oxidativen Stresses (nitrosativer Stress) können unter anderem zur Schädigung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fettsäuren im Körper führen. Ebenso kann die DNA durch Punktmutationen oder Enzymstörungen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Langfristig erhöht der oxidative Stress, d.h. ein hohes Vorkommen von freien Radikalen im Körper, das Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen. Wie oben angemerkt, sollte man dabei davon ausgehen, dass in vielen Fällen der oxidative Stress nicht die alleinige Ursache von Erkrankungen ist. Er wirkt oftmals eher als krankheitsfördernd denn als alleiniger Grund. Sein Beitrag sollte jedoch nicht unterschätzt werden.

Eine Vielzahl von Krankheiten wird mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht. Im Bereich der Augen kann grauer Star begünstigt werden. Das Immunsystem kann erheblich geschwächt und gestört werden, ebenso können Stoffwechselkrankheiten, beispielsweise Diabetes mellitus, auftreten. Die Arterien verkalken, was im Extremfall zu Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen kann. Auch rheumatische Erkrankungen werden durch oxidativen Stress begünstigt. Ebenso Krebserkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer. Eine Studie verweist zudem darauf, dass ein hoher Anteil der Fälle männlicher Unfruchtbarkeit auf oxidativem Stress basiere.

Ist Açaí ein Wundermittel? – was die Frucht kann, was nicht und worauf es ankommt.

Durch das Entschärfen der freien Radikale im Körper wird also kurzfristig das Immunsystem gestärkt und langfristig einer Vielzahl von Krankheiten und Beschwerden entgegengewirkt sowie die Alterung des Körpers verlangsamt.

Die Vielfältigkeit der positiven Wirkungen der Antioxidantien und ihr hohes Vorkommen in Açaí sind der Grund, dass Açaí oft als Wundermittel gegen alles Übel beschrieben wird. Das ist natürlich zu einfach – Açaí kann keine Krankheiten heilen und es kommt sehr darauf an, welcher Herkunft das Açaí ist und wie das Açaí verarbeitet und auf seinem Weg bis zum Konsumenten behandelt wurde.

Was aber stimmt und unstrittig ist, ist dass die Frucht an sich einen außergewöhnlich hohen Gehalt an Antioxidantien aufweist. Aufgrund der extremen Empfindlichkeit von Açaí-Beeren, besteht die Krux darin, die Frucht schonend zu verarbeiten und zu transportieren, damit der Großteil der Antioxidantien auch bei Ankunft in Deutschland noch erhalten ist.

 

Welche weiteren vorteilhaften Stoffe enthält Açaí?

 

Hoher Gehalt an ungesättigten Fettsäuren Omega 3, 6 und 9

Açaí ist vor allem wegen seiner antioxidativen Wirkung bekannt. Es enthält daneben aber weitere für den Körper wichtige Stoffe. Insbesondere sind hier Omega 3-, 6- und 9-Fettsäuren zu nennen. Diese einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind wichtig für den Stoffwechsel im Körper. Sie sind außerdem Energiequelle für den menschlichen Organismus und tragen zum allgemeinen Wohlbefinden bei.

Ungesättigte Fettsäuren tragen zum Erhalt der Funktionsfähigkeit von Zellmembranen bei, indem sie deren Flexibilität und Durchlässigkeit erhalten. Im Gehirn spielen sie ebenfalls eine wichtige Rolle, da dieses zu einem Gutteil aus Fett besteht. Außerdem sind einige ungesättigte Fettsäuren zur Bildung von Hormonen wichtig oder wirken entzündungshemmend.

Die Wahrscheinlichkeit, an bestimmten Krebsarten (bspw. Brust- oder Prostatakrebs) zu erkranken, sinkt durch die Wirkung von ungesättigten Fettsäuren. Ebenso haben die ungesättigten Fettsäuren eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem und reduzieren bspw. das Risiko von Herzinfarkten. Vor allem bei gleichzeitiger Verminderung der Menge von konsumierten gesättigten Fettsäuren, können die ungesättigten Fettsäuren auch zur Senkung des Cholesterinspiegels beitragen.

Auch viele Nüsse enthalten ungesättigte Fettsäuren.

Der Körper kann Omega 3, 6 und 9 Fettsäuren nicht selbst herstellen

Einen Großteil der ungesättigten Fettsäuren kann der Körper selbst herstellen. So entsteht beispielsweise Ölsäure, die wichtigste der einfach ungesättigten Fettsäuren, aus der Umwandlung von gesättigten Fettsäuren. Auch andere Stoffe, wie Aminosäuren und Glukose, können Ausgangspunkte für die Bildung von ungesättigten Fettsäuren durch den Körper sein. Die wichtigen Fettsäuren Omega 3, 6 und 9 allerdings kann der Körper nicht selbst herstellen. Sie müssen somit zwingend über die Nahrung direkt aufgenommen werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass 7-10% der täglichen Energiezufuhr des Körpers durch ungesättigte Fettsäuren erfolgen sollte. Der durchschnittliche Konsum von ungesättigten Fettsäuren wird jedoch auf nur 5% der täglichen Energieaufnahme geschätzt. Will man nicht auf umstrittene Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen, sollte man also bewusst Lebensmittel in seinem Speiseplan aufnehmen, die reich an ungesättigten Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann, sind. Früher haben manche Menschen Fischöl löffelweise zu sich genommen, um dem Körper ungesättigte Fettsäuren zuzuführen. Während Fisch einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren hat, ist heutzutage glücklicherweise bekannt, dass es auch einige andere Lebensmittel mit hohem Gehalt ungesättigter Fettsäuren gibt. Açaí ist hierfür ein gutes Beispiel und gleichzeitig eine Alternative für Veganer.

Eisen, Calcium, Vitamine und Ballaststoffe

Neben Antioxidantien und ungesättigten Fettsäuren enthält Açaí auch Eisen, Calcium und Vitamine. Eisen ist ein Spurenelement, das wichtig für die Zellbildung und -atmung ist. Es hilft den eingeatmeten Sauerstoff im Körper zu verteilen, indem es diesen an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) bindet.

Calcium ist der mengenmäßig wichtigste Mineralstoff im Körper. Der Großteil ist in den Knochen und Zähnen gebunden; nur ein kleiner Teil ist im Blut. Da eine gewisse Menge im Blut benötigt wird, löst der Körper bei Calciummangel dieses aus den Knochen. Dies führt langfristig zu brüchigen Knochen oder im Ernstfall zu Osteoporose.

An Vitaminen enthält Açaí Vitamin A, C und E – die jeweils antioxidative Eigenschaften aufweisen und so zur antioxidativen Gesamtkapazität beitragen. Daneben enthalten die Beeren die Vitamine B1, B2, B3, B5, B6, B12 und K, die unterschiedliche und vielfältige Funktionen im Körper haben.

Zu guter Letzt sollte erwähnt werden, dass Açaí reich an Ballaststoffen ist. Diese regen die Darmtätigkeit an und sind wichtig für die menschliche Verdauung. Sie können zudem vorbeugend auf die Erkrankung an einigen Krankheiten, wie etwa Darmkrebs wirken. Gelegentlich wird der hohe Ballaststoffgehalt von Açaí auch als Argument für die Frucht als Abnehmwundermittel genommen. Es ist jedoch umstritten, ob und inwieweit Açaí zum Abnehmen in besonderer Weise beitragen kann.

*Dieser Artikel wurde mit möglichster Sorgfalt und Recherche erstellt. Wir sind aber weder Diätetiker noch Mediziner. Der Artikel ist demnach nicht als Grundlage für einen indivuellen diätetischen Plan oder gar eine Selbstmedikation gedacht oder geeignet. Eine Haftung hierfür wird nicht übernommen.

Beitragsserien: Information über Açaí - eine faszinierende Frucht - Serie
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