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Die Açaí-Beere: Ein Überblick – Teil1

Die Açaí-Beere: Ein Überblick – Teil1

Was ist Açaí eigentlich? Woher kommt diese Frucht, wie wird sie genutzt und was ist das Besondere an ihr? – Ein Überblick

 

Die Açaí-Beere ist die Frucht der Euterpe Oleracea, einer Palmenart aus dem Norden Südamerikas. Es handelt sich um eine Untergruppe der Kohlpalmen. Auf Deutsch wird die Euterpe Oleracea gelegentlich auch Açaí-Palme genannt. Der Name der Frucht wird Assa-í ausgesprochen und nicht etwa Atschai oder Akai, was man in Deutschland vielfach hört.

Frisch geerntete Açaí-Beeren

Ursprung des Namens Açaí

Der Begriff Açaí stammt von der Bezeichung „iwasai“, was soviel wie „wasserlösliche Frucht“ in der Sprache der Tupi, einer ethnischen Bevölkerungsgruppe in Brasilien, bedeutet.

Bei manchen Ureinwohnern des Amazonas wird die Frucht auch „ica-cai“ genannt; zu Deutsch: „die weinende Frucht“. Dieser Spitzname erklärt sich im Zusammenhang mit einer grausamen und kuriosen Legende die sich um die Entstehung des Fruchtnamens rankt.

So habe vor langer Zeit eine Hungersnot die Existenz eines Stammes von Ureinwohnern bedroht. Der verzweifelte Häuptling des Stammes sah die einzige Hoffnung darin, dem Gott Tupan alle Neugeborenen zu opfern, bis die Lage sich bessern würde. So opferte er auch seine eigene Enkeltochter, die in dieser Zeit geboren wurde.

Seine Tochter – und Mutter des neugeborenen Kindes – war verzweifelt und betete, dass die Opferung der Neugeborenen ein Ende haben möge. Eines Nachts meinte sie das Weinen ihres Kindes zu hören und lief in den Wald, um es zu retten. Unter einer unbekannten Palmenart fand sie ihr Kind – doch als sie sich näherte, merkte sie, dass ihre Verzweiflung ihr einen Streich gespielt hatte.

Am nächsten Tag bemerkte man die Abwesenheit der Häuptlingstochter und machte sich auf die Suche nach ihr. Man fand sie tot unter der Palme liegend, mit dem Blick nach oben, Richtung Baumkrone, und einem Lächeln auf dem Gesicht. Der Häuptling folgte dem Blick von Iaça – so der Name seiner toten Tochter – und stellte fest, dass die unbekannte Palme fremdartige Früchte trug.

Man erntete sie und stellte fest, dass sie essbar waren und im Umkreis in größeren Mengen wuchsen. Die Hungersnot war vorüber und Iacas Wunsch, das Töten der Neugeborenen möge ein Ende haben, ging in Erfüllung. Als Erinnerung an seine Tochter gab der Häuptling der Frucht den Namen Açaí – Iaça rückwärts geschrieben.

Vorkommen und Ausbreitung der Euterpe Oleracea

Açaí kommt natürlich nur im Amazonas vor und wird bislang auch nur dort produziert. Über 90% der Weltproduktion kommen aus dem brasilianischen Bundesstaat Pará. Hier, im Delta des Amazonas, wo das Land meist flach und oft überschwemmt ist, fühlt sich die Pflanze besonders wohl. Weiter landeinwärts wächst sie vor allem in Flussnähe, wo die Bedingungen ähnlich sind.

Der Äquator läuft durch Pará und dementsprechend ist das Klima meist feucht und heiß. Einen Großteil des Jahres ist es stark schwül, bevor es am späteren Nachmittag zu schütten beginnt. Açaí wächst unter diesen Bedingungen wie Unkraut, und bis heute wird bei Weitem nicht alles geerntet, was teils auch an dem nur schwierig begehbaren Gelände des Amazonaswaldes liegt.

Hier fühlt sich Açaí am wohlsten: Das Amazonasdelta

Merkmale und Charakteristika von Pflanze und Frucht

Die Açaí-Palme kann bis zu 25m hoch werden und der Stamm einen Durchmesser von knapp 20cm erreichen. Schon nach wenigen Jahren kann eine junge Palme zum ersten Mal geerntet werden. Die Zahl der Früchte nimmt jedoch im späteren Alter zu – wobei die Ernte aufgrund der zunehmenden Baumhöhe mühsamer wird. In der Krone der Palme, unter den Blättern, wo bei der Kokospalme die Kokosnüsse hängen, hängen bei der Açaí-Palme ein oder mehrere Büschel von langen dünnen Zweigen, an denen als Frucht die Açaí-Beeren hängen.

Die Beeren sind rund und ca. 1cm im Durchmesser, manchmal auch etwas größer. Im unreifen Zustand sind die Beeren grün. Erst mit der Reifung erreichen sie ihre charkteristische kräftige violette Farbe. Die Beeren bestehen zu ca. 90% aus einem runden harten Kern.

Nutzung von Açaí

Die Kerne sind als Nahrung nicht geeignet und, da der Anteil an der Frucht so hoch ist, wird das Fruchtfleisch, bzw. die Schale, grundsätzlich in einer Art Schleudertrommel vom Kern getrennt. Mit dem zur Verarbeitung zwingend notwendigen Wasser entsteht so aus der trockenen Schale das beliebte Açaí-Püree.

Açaí-Püree erfreute sich schon bei den brasilianischen Ureinwohnern großer Beliebtheit und ist bis heute ein Grundnahrungsmittel in der Region. Viele Paraenses (Einwohner von Pará) und Bewohner angrenzender Bundesstaaten essen täglich mindestens bei einer Malzeit Açaí – sei es in Form des puren Fruchtpürees oder als Soße zum Essen.

Die Beeren sind extrem empfindlich und müssen binnen 24h Stunden nach Ernte verarbeitet bzw. tiefgefroren werden. Ansonsten werden sie schlecht. Selbst Açaí-Püree im Kühlschrank schmeckt nach einem Tag bereits schlechter und ist nach 2 ggfs. bereits nicht mehr genießbar – hat mindestens aber einen ranzigen Beigeschmack.

Die Kerne der Beeren werden oftmals entweder als Naturdünger im Urwald oder im Garten verstreut, oder sie werden zur Produktion von Naturschmuck verwendet. Aus den Blättern der Palmen stellen die brasilianischen Anwohner Hüte, Matten, Körbe und Besen her. Das Holz der Palmen dient gelegentlich als Baustoff oder für Schnitzereien und Dekorationen.

Mittlerweile auch international beliebt: Açaí-Bowls

Internationale Ausbreitung von Açaí

Mittlerweile erfreut sich die Frucht internationaler Bekanntheit. Grund dafür sind ihr einzigartiger Geschmack, ihr niedriger Zuckergehalt und ihr hoher Gehalt an Antioxidantien und weiteren gesunden Inhaltsstoffen, aufgrund derer sie von manchen auch als Superfood bezeichnet wird.

In manchen Ländern, wie beispielsweise den USA, ist das gesunde und wohlschmeckende, exotische Fruchtpüree längst nicht mehr wegzudenken. Auch in Japan erfreut sich Açaí kurioserweise bereits seit längerem hoher Beliebtheit. In Europa ist Açaí bislang wahrscheinlich am Bekanntesten in Portugal, was sich wohl mit der kulturellen Nähe zu Brasilien erklären lässt. In den letzten wenigen Jahren hat die Frucht aber auch in Mittel- und Nordeuropa nach und nach Bekanntheit gewonnen und beginnt, sich durchzusetzen.

Durch die hohe internationale Nachfrage ist das Interesse der lokalen brasilianischen Bevölkerung, von der Ernte von Açaí zu leben, gestiegen. Es ist heute oftmals interessanter für sie, den Wald stehen zu lassen und regelmäßig die Açaí-Beeren zu ernten, als den Wald zu brandroden und auf der so gewonnenen Fläche Viehzucht zu betreiben.

Beitragsserien: Information über Açaí - eine faszinierende Frucht - Serie
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